Mittwoch, 7. November 2012

Scheiß auf Karriere, ich werd‘ Hausfrau!



Wir leben in einem Land und in einer Zeit, da können Frauen ALLES. Sie können Chefs werden, also Chefinnen, sie können ganze Konzerne leiten, sie können eigene Firmen gründen und ach ja - sie können Bundeskanzler werden! Also Bundeskanzlerin



Ja, Emanzipation ist schon etwas Tolles. Obwohl Frauen wohl immer noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Sie bekommen also weniger Gehalt, obwohl sie die gleiche Arbeit verrichten. Und sie werden angeblich auch seltener in leitende Positionen gewählt - meistens aus dem Grunde, dass die männlichen Kollegen ihnen die Arbeit in höheren „wichtigen“ Positionen nicht zutrauen. Oder sie wollen sich einfach nichts von einer Frau sagen lassen.
Naja, die Frauenquote wird's schon richten.

Ja, wir Frauen können ansonsten aber wirklich alles erreichen. Und das sollen wir wohl auch 
- "Du solltest dein Abitur gut machen, damit du danach studieren kannst. Dann hast du später einen guten Beruf und verdienst ordentliches Geld!" 
Ja, das sagen alle, also ist das wohl der richtige Weg. Wir Frauen sind stak, klug, machen Karriere. Noch vor 50 Jahren wäre das undenkbar, damals hatten die Ehemänner das Sagen. 
Apropos Ehemänner - was ist eigentlich mit Heiraten? Kinder bekommen? Naja gut, Heiraten wird heutzutage und hier in Deutschland nicht als besonders erstrebenswert angesehen. Klar, Kinder sollte man schon bekommen, wir wollen ja nicht, dass die Deutschen aussterben. Aber um Kinder zu bekommen braucht man ein gesichertes Einkommen, am besten ein Haus mit Garten und ein großes Auto dazu. Wir wollen ja auch nicht unsere Eltern enttäuschen, die wollen, dass wir "es mal besser haben" und wir haben ja auch die Möglichkeiten heutzutage! Also sollte man zuerst studieren, vielleicht ein Jahr im Ausland verbringen, dann eine Zeit lang arbeiten und sein Leben in sichere, stabile Bahnen lenken. Danach ist man bereit für Kinder. 
Und man ist 35 Jahre alt. 

Ich bin jetzt 24 Jahre alt und gehe wohl den richtigen Weg - Abitur, Studium. Wenn ich mein Lehramtsstudium dann nach fünf Jahren beendet habe, muss ich ein Jahr als Referendarin arbeiten, um am Ende Lehrerin zu sein. Das ist ein "ordentlicher" Beruf mit solidem Gehalt. Die Frage ist natürlich - will ich das überhaupt? Und wann ist die Zeit für Ehe und Kinder endlich gekommen? 
Nun ja, da es noch nicht so weit ist, muss ich ja etwas machen - arbeiten, studieren, was auch immer. Es bleibt nichts anderes übrig - "Selbst ist die Frau!" Frauen müssen auch ohne Männer auskommen, sie müssen für sich selbst sorgen können. 
Okay, aber vielleicht möchte ich das gar nicht? Was ich wirklich möchte ist folgendes: ich möchte Ehefrau und Mutter sein! Ich möchte in einem kleinen Häuschen wohnen, dieses sauer und ordentlich halten, mich um die Kinder kümmern. Ich möchte Dekorationen passend zu Feiertagen und Jahreszeiten herrichten, ich möchte kochen und backen (lernen) und mich mit Freundinnen zum Quatschen und Stricken bei Kaffee treffen. Das ist mein Traum. 
Aber ich traue mich kaum dies jemandem zu sagen. Das sagt man hier einfach nicht. Wir sind doch starke Frauen und müssen... ähm, also KÖNNEN Karriere machen. 
Niemand möchte NUR Hausfrau und Mutter sein. 
Die Frauen-Generation meiner Mutter würde sagen: 
"Kind! Das stellst du dir zu schön vor. Das ist viel Arbeit und dir fällt die Decke auf den Kopf!" 
Vielleicht stimmt das. Aber vielleicht sagen das nur Frauen, die keine Wahl hatten und einfach früh Mütter geworden sind. Sie mussten diese Rolle einnehmen. Ob sie wollten oder nicht. Oder sie sind wirklich nicht besonders „häuslich“, gehen lieber nach draußen, feiern usw. Vielleicht stehen sie wirklich nicht auf Lichterkertzen, Barbies und Kakao am Kamin…
Ich glaube, das ist ein großes Problem unserer Generation - wir können ALLES machen. Uns stehen alle Möglichkeiten zur Verfügung, es gibt keine Grenzen. Das ist natürlich sehr gut, wir leben nicht im Krieg oder hinter Mauern. Aber wenn wir alles machen können, heißt das nicht gleich, dass wir alles machen wollen. Was sollen wir uns überhaupt aussuchen? Schule, Ausbildung, Studium, Arbeit, Harz IV? Was ist das Richtig? Und wann ist die "richtige" Zeit für Kinder? Wenn man alles richtig macht - Studium, Arbeit, Haus - dann ist man am Ende zu alt für Kinder. Wenn man im biologisch idealen Alter Kinder bekommt (also Anfang zwanzig), dann hat man doch gar keine Rücklagen und Sicherheiten. 
Okay, also kann man es nicht richtig machen, oder?

Ich unterhalte mich oft über solche Themen mit Freunden und weiß daher ganz sicher: viele Frauen in meinem Alter (Mitte zwanzig) wollen am liebsten Hausfrauen und Mütter sein. Aber sie machen alle etwas anderes. Karriere. So wie die Gesellschaft es erwartet. Zugegeben, es ist immer sehr einfach die Schuld der gesichtslosen "Gesellschaft" in die Schuhe zu schieben. 
Aber wenn wir Frauen machen können was wir wollen - warum machen wir dann nicht das, was wir wollen??!

Das war meine Abhandlung zum Thema Frauen und Karriere. Ich kann leider wenig dazu sagen, was die Männer in meinem Alter wollen. Wollen sie Karrierefrauen? Wollen sie Ehefrauen? Hausfrauen? Mütter? Irgendwie gar nichts davon. Karrierefrauen sind abschreckend, weil sie vielleicht klüger und erfolgreicher sind als ihre Männer. Kinder ja, aber später. Obwohl hier auch wieder niemand weiß, wann dieses „später“ eigentlich sein soll.
Wir sind die Generation der unbegrenzten Möglichkeiten, die verzweifelt versucht das "Richtige" zu machen und ihren Weg im Leben zu finden. 

Kommentare:

  1. Richtig gut !

    Liebste Grüße
    Domi ;)

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  2. Liebe Vicky. Kenne Dich bisher von Youtube. Dein Blog hier ist klasse. Bitte weitermachen!
    Dieser Beitrag bringt es echt auf den Punkt. Heute trauen sich viele nicht, zu sagen, was sie wirklich fühlen und wollen und so zu leben, wie sie wollen und es sich gut für sie anfühlt. Meine ehemalige Liebesgefährtin (das Wort "Exfreundin" finde ich eher doof...) arbeitet bei Woolworth und erzählte mir einmal, dass sich die meisten jungen Frauen dort ein Leben an der Seite eines gut aussehenden hübschen und auch reichen Mannes erträumen bzw. andauernd davon reden. Nun kann man das als nerviges Klischee abtun. Aber ich denke, unsere "Biologie" ist viel stärker als unser "Bewusst sein". In meiner Firma (Großkonzern) gibt es viele Frauen, welche zunächst Karriere und dann später Kinder geplant hatten. Dann haben die Kinder aber nicht gewartet ;-) sondern sind halt eher "geschlüpft". Ich erlebe ganz oft, dass diese Kinder die Frauen glücklich machen! Das ist einfach toll und ich freue mich mit ihnen. Habe selbst keine Kinder, aber habe ein Herz für die Knirpse. :-) Kaum aus der Elternzeit zurück, müssen sich diese Frauen wieder entscheiden. Wieder voll in die Karriere oder der Karriereknick, da nur halbtags anwesend. Wenn die Kinder krank sind, muss abgesagt werden, auch Abends mit der Abteilung feiern heißt immer, den Babysitter organisieren - denn der Mann ist ja mit seiner Karriere beschäftigt. Viele dieser Kolleginnen sind doppelt frustriert, da sie gute und liebevolle Mütter sein wollen und andererseits auch ihr Talent im Beruf einbringen und dort die Früchte ernten wollen. Geht aber irgendwie nicht. Leider ist unsere Gesellschaft noch nicht so weit, Elternzeit und Kinderbetreuung als etwas tolles, wichtiges und erstrebenswertes anzuerkennen. Das gilt übrigens auch für die Männer. Die bekommen nur 2 Monate Elternzeit und Teilzeit ist häufig ganz schlecht angesehen und ein echter Karrierekiller. Da rennt man gegen alte Rollenbilder an. Klingt jetzt vielleicht seltsam, aber die Emanzipation hat viele Frauen unter Karrieredruck gebracht. Und so manches mal denke ich auch, dass sie ein Liebeskiller ist. Zwei, drei meiner guten Freundinnen sind so abgestresst, dass sie kaum noch Zeit finden, Männer kennen zu lernen bzw. wenn dann eine Beziehung länger hält, muss immer ganz viel "organisiert" werden. Der Partner als Terminpunkt im Kalender... Und ganz zuletzt: es ist echt wichtig, das zu machen, was man sich im Innern wünscht. Sonst wird/bleibt man unglücklich. Und diese Situation kennen sicher viele Frauen wie Männer!!! :-/

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